Mein Sohn zeigt meiner Tochter, wie man im Stehen pinkelt und ich unterweise ihn im Bodenwischen – Das Ding mit den Geschlechterrollen.

„Mama, wann wächst dem Baby endlich ein Lumpi?“

Diese Idee hinter der Frage, die mir mein Sohn bald nach der Geburt meiner Tochter stellte, ist gut und falsch zugleich.

Ich erklärte ihm damals, dass das Baby kein „Lumpi“ braucht, weil es „Mumu“ hätte und diese im Großen und Ganzen den gleichen Zweck erfüllt. Der damals Dreijährige freute sich, dass seine Baby-Schwester irgendwann ein „echtes“ Mädchen wird und damit war das Thema durch. Bis jetzt hörte ich, kein einziges Mal so etwas in der Art wie „Mädchen sind blöööööd!“ oder „Jungs sind noch viel blööööder!“

Und trotzdem muss ich mir ab und zu die Frage stellen, wann und warum diese natürliche Akzeptanz gegenüber dem anderen Geschlecht aufhört und wir Frauen den Männern um Schwanzlängen voraus sein müssen.

Es stimmt mich ein wenig verdrossen, dass das Frauenvolksbegehren 2.0 von unserer „volksnahen“ Regierung einfach vom Tisch gekehrt wird und knappe 482.000 Menschen anscheinlich keinen Teil des Volkes bilden. Die Priorität geht eindeutig dahin, sogar noch das sprichwörtliche Glatteis, unter den Ärschen derer wegzuziehen, die es den Bodenkontakt ohnehin schon längst verloren haben. Über diese Vorgehensweise machen sich wohl die vielen AlleinerzieherInnen auch ihre Gedanken, auch wenn sie nicht zu den über 880.000 UnterzeichnernInnen des Volksbegehren für den NichtraucherInnenschutz gehören. Ich habe beide Volksbegehren unterzeichnet, obwohl ich dem Frauending in manchen Punkten nicht ganz zustimmen kann.

Ich hasse es zu gendern. Gendering-off!

Beim Lesen mancher, bis zum totalen Sinnverlust, geschlechterspezifisch-durchkonjukierter Artikel, stell ich mir immer wieder die Frage, warum die Geschlechter offiziell nicht abgeschafft werden. In einer Welt, die nach angeblicher Gleichberechtigung schreit, gleicht es einer Farce, jedem Erdneuankömmling den pink/blauen Stempel, im Zuge der Anmeldung beim Standesamt, aufzudrücken. Weil sich in dieser Deklarierung nicht jeder wiederfinden kann, geht man den viel komplizierteren Weg und „erlässt“ zusätzlich noch ein drittes Geschlecht. Wie man das dann gendert, hat mir bis jetzt noch niemand erklären können. Und ob das zur Gleichberechtigung beiträgt wage ich zu bezweifeln.

Ich persönlich trage manchmal pink. Entweder findet das zu Fasching statt, oder nachdem ich in der Weißwäsche ein rotes Paar Socken mitgewaschen habe.

Trotz aller Vorbildwirkung meinerseits, liebt meine Tochter diese Farbe. Und trotz aller Antisympathiepunkte, im tiefsten Innern beneide ich Kanye West und Kim Kardashian um ihre Konsequenz bei der Durchsetzung der Richtlinien bezüglich des Kleidungsstils ihrer Kinder. Niemals habe ich das Mädchen der zwei Himmelsrichtungen in irgendwelche Ostereierfarben gekleidet gesehen. Allerdings tragen ihre Kinder, trotz vorhandener Clanstruktur, keine Kleidung von Verwandten nach. Und das müssen meine schon.

Ich will nicht jedes Wäschestück neu anzuschaffen. Mit dem, mir zu Verfügung stehenden Kapital, kann ich meinen Lieben, in der dritten Welt gefertigte Ware kaufen. Und wenn die Sachen zu klein werden, könnte ich, um mich karitativ zu fühlen, diese als Spende wieder zu ihren Herstellern zurücksenden. Das geht mir ziemlich gegen den Strich. Deshalb nutze ich großteils die unendlichen Reservoirs an ausgemisteten Kinderschränken und zwischen sehr viel schönen Teilen, rutscht ab und an ein Shirt mit dem japanischer Katzenkopf durch. Und wenn eines auf dieser Welt sicher ist: meine Tochter wird nur noch dieses Teil anziehen wollen.

Wenn unsere zwei Kinder einen guten Tag haben, spielen sie, statt gegeneinander, mit großer Begeisterung und Phantasie auch miteinander. Mein Sohn baut mit akribischen Ingenieursgehabe ein ausgeklügeltes Berg-und-Tal-Gleissystem, während die Kleine fürsorglichst die Einhörner und Pferde auf in die Wagons verlädt. Wenn meine Tochter mit der Babypuppe liebevoll spazieren geht, nimmt ihr mein Sohn gerne mal den Kinderwagen ab um mit diesem eine geräuschvolle Wohnungsralley zu veranstalten.

Meine Kinder suchen sich ihre Rollen selbst aus. Warum in aller Welt sollte das dann nicht richtig sein? Wieso sollte ich diesem Klischee entgegensteuern? Weil bei uns politische Fehlentscheidungen getroffen werden, die familientechnisch gesehen in Sackgassen enden?

Was ist denn wirklich falsch daran, als Mutter bis zu einem gewissen Alter der Kinder zu Hause zu sein, sich um diese zu kümmern und den Haushalt zu schmeißen, während der andere einen Großteil des Geldes heim bringt? Ich habe keine Kinder bekommen, um mein Leben in der exakt gleichen Art und Weise weiter zu führen wie ich es vorher getan habe.

Die fast schon aggressiv herbeigeschriene „Gleichberechtigung“ wir alleine durch die Existenz der, lediglich in Frauenbrüsten, funktionellen Milchdrüsen eine Mär. So wie ich meinen Vollzeit berufstätigen Partner unterstütze, möchte ich im Gegenzug auch wertgeschätzt werden. Da ich das hartverdiente Geld nicht mit vollen Händen aus dem Fenster werfe, wissen meine Lieben auch, dass sie die latent vorhandene Ordnung in der Wohnung nicht unnötig zerstören sollen und so weit wie möglich, ihren temporären Akutdreck selbst ins Reine bringen müssen.

Wenn sich alle, an diese wenigen aber wichtigen Grundregeln halten, bleibt für uns alle gemeinsam mehr Zeit zum Spielen, Lesen oder wonach uns sonst das Herz begehrt.

Trotz meiner weisen Worte neige ich zur Selbstaufgabe. Ich vermute, dass diese Problem mehrere Frauen haben. Während mein Partner sich meist einmal in der Woche, am Abend, eine Auszeit mit seinen Freunden nimmt, bin ich im Regelfall daheim. Ich tu mir ein wenig schwer, im Voraus zu planen, mach viel von der Wetterlage, meinen Kopfschmerzgrad und der Laune der Kinder abhängig.

Vielleicht sind das auch Ausreden für mich selbst, meinen Hintern in Richtung Aktivität zu raffen. Da der Großteil meiner Freundinnen berufstätig und zudem auch Mütter sind, werden die Schlupflöcher für eine Auszeit immer kleiner. Weder möchte ich mich, wider meines Naturells in Fitnessstudios herumtreiben noch einem gemischten Landchor beitreten. Also schreibe ich jetzt einfach wieder verstärkt. Und das tut mir gut. Und das Problem mit meinem weiblichen Selbstbild ist zum größten Teil gelöst.

Das wirkliche Problem von uns, Frauen und Männern, ist die unendliche Geschichte der Fremdbetreuung. Wenn es der Frau schwer möglich ist, gewinnbringend zu arbeiten, schaut es bei den Männern finanziell nicht besser aus.

Ohne helfenden Händen von Verwandten oder Freunden ist es für beide Elternteile schier unmöglich einer Vollzeitbeschäftigung nachzugehen. Falls man vor allem im ländlichen Gebiet Plätze findet und es um die Betreuung von drei oder mehr Kindern geht, sind die damit verbunden Kosten so hoch, dass es sich nicht ausgeht ohne spürbare Abstriche zu machen.

Ein gutes Beispiel wie es funktionieren kann und auch für Alleinerzieher machbar ist, ist die dänische Variante der Kinderbetreuung: https://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=1107&langId=de&intPageId=4486

Der Weg dorthin besteht aber nicht im Rumnörgeln an Glitzerschuhen, diskreditieren von Frauenbildern in Märchen ,oder dämonisieren von Barbiepuppen.

Wir bündeln unseren Widerstand und schießen recht weit an der Sache vorbei. Verblenden uns selbst in der Annahme, dass es genügt, alle, die doch so verschieden sind, im Namen der Gleichberechtigung auch gleich zu behandeln. Wir sollten uns auf das Gemeinsame konzentrieren und auf die Akzeptanz des Anderen. Uns absprechen und organisieren. Wir brauchen eine Art Revolution. Die Revolution der Familien!

2 Kommentare zu „Mein Sohn zeigt meiner Tochter, wie man im Stehen pinkelt und ich unterweise ihn im Bodenwischen – Das Ding mit den Geschlechterrollen.

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