Saisonende – das Ding mit dem Wörthersee und der Familienfreundlichkeit

Wörthersee – Südufer Fotocredit: Beerit Ahrens

Wochenende ist für mich Arbeitszeit. Und obwohl die Kinder auswärts schlafen bin ich schon wach. Es ist 6:30.

Im Normalfall sind die frühen Morgenstunden eine gute Zeit für mich zu schreiben. Warum ich heute so schwer einen Einstieg finde, könnte einerseits an meiner Müdigkeit liegen, ich bin gestern ziemlich spät ins Bett gekommen oder anderseits damit zu tun haben, dass mir eine Medaille verliehen gehört, deren Kehrseiten nicht unterschiedlicher zueinander sein könnten. Ich möchte, Achtung Premiere, ein paar Zeilen über die Arbeit schreiben, welche ich, eigentlich nicht liebe und konträrer Weise (meistens) doch gerne mache.

Das Gute an der Gastronomie ist, dass man immer einen Job findet. Das Schlechte auch.

„Weißes Rössl“ am Wörthersee Fotocredit: Beerit Ahrens

Im Frühling endete meine Karenzzeit und ich hatte die Hoffnung meinen Arbeitseinstieg bis zum Herbst hinauszögern zu können. Blöderweise verlor ich fast zeitgleich meinen Samstagsjob und somit auch die Ausrede, dass ich dort eventuell mehr Stunden bekäme.

Neben dem, was ich eigentlich erlernt habe, landete ich Zeit meines Arbeitslebens immer wieder in der Gastronomie. Manchmal um einen Freund in der Bar hinter der Theke zu unterstützen, oft auf Volksfesten oder mehrtägigen Veranstaltungen um in kürzester Zeit die höchsten offenen Rechnungen zu begleichen.

„Voll“ finde ich die Leute nicht sehr toll.

Diese Erkenntnis veranlasste mich vom Service in die Küche zu wechseln, was mir neben der Schonung meiner Nerven allerdings auch große finanzielle Einbußen, in Form von Trinkgeldverlust brachte und mit Kind No 2 war das Thema Gastronomie für mich somit endgültig durch. Dachte ich. Im Gegensatz zur Jobvermittlung. Innerhalb einer Woche hatte ich drei Stellen im Briefkasten, deren Dienstenden den zeitlichen Rahmen einer öffentlichen Kinderbetreuung sprengten, wobei ich hier die sommerliche Betreuungslücke, die sehr viele Eltern kennen, noch nicht einmal mitberücksichtigt hatte.

Als ich dieses Argument mit der Tatsache untermauerte, dass unsere Tochter aufgrund ihrer künstlichen Immunschwäche öfters krank werde als andere Kinder und die Erholungszeiten länger ausfallen könnten, bekam ich sofort zwei Absagen, welche mir, zugegeben, ziemlich recht kamen.

Anders lief es bei der dritten Stelle. Die fast eine Stunde Fahrzeit entfernt lag. Und den Service betraf.

Die Dame, mir der ich telefonierte, musste ein großes Herz haben. Oder sie brauchte wirklich dringend Personal. Vielleicht war ich ihr lediglich sympathisch. Möglicherweise hatte sich mich einfach durchschaut.

Schiffsanlegestele „Weißes Rössl“ Fotocredit: Beerit Ahrens

Auf alle Fälle kam es zum persönlichen Vorstellungsgespräch, zu dem ich aus organisatorischen Gründen meinen 6-Jährigen Sohn mitnehmen musste.

Während wir uns auffallend schnell darauf einigen konnten, die Arbeitsstunden wegen der Fahrtkosten auf zwei Tage zu blocken, schleckte mein Sohn gemütlich ein Eis, auf das er von der Chefin selbstverständlich eingeladen wurde. Völlig unkompliziert ging sie auf meinen Wunsch ein, nur wochenends zu arbeiten, weil ich so die Kinderbetreuung in der Familie regeln konnte. Nebenbei ließ sie meinem Sohn, der spontan am Hungertod nagte, eine Schnitzelsemmel in der Küche zubereiten.

Je unkomplizierter und verständnisvoller die Spitze, desto motivierter und kompromissbereiter die Mitarbeiterinnen.

Das Interessante am Arbeitsleben ist, wie sich manche Dinge entwickeln. Für gewöhnlich läuft es so, dass jede Seite vorgibt, eine Menge zu bieten, zu können und zu sein. Im Laufe der „Beziehung“ relativieren sich die Versprechungen und man ist grundsätzlich froh, wenn die Arbeit für beide Seiten passt, ohne dass man sich tagtäglich ärgern muss und schon morgens mit Bauchschmerzen erwacht.

In diesem Fall lief es nicht nach meinen Erwartungen. Sie wurden weitaus übertroffen.

Gastgarten Restaurant „Weisses Rössl“ am Wörthersee Fotocredit: Beerit Ahrens

Zu jeder Zeit wurde meine Familie mit offenen Armen empfangen. Angefangen von der Chefin, über die langjährige Mitarbeiterin, die als Inventar bezeichnet wird , bis hin zum treuen Kellner, der jetzt die vierte Saison (neben der Schule!), im „Weissen Rössl“ gearbeitet hat – alle zeichnen sich durch ihre große menschliche Wärme und Verständnis für besondere Situationen, die sich automatisch durch das Leben mit Kindern auftun, aus. Ob sie nun selbst Kinder haben oder nicht.

In dieser Saison habe ich Freundschaften geschlossen, die sich sonst so nicht ergeben hätten. Obwohl ich mit hoher Wahrscheinlichkeit nächstes Jahr nur als Gast wiederkommen werde, liegt mir viel daran, den Kontakt weiter zu halten.

Diese Sommerstelle hat mir ein wenig den Glauben daran zurück gegeben, dass es anders auch geht. Und man als Frau nicht immer nur die Gelackte sein muss, die froh sein darf, am ersten Schultag ihrer Kinder frei zu bekommen.

Viele große Firmen können sich von diesem Familienbetrieb eine dicke Scheibe abschneiden und die ganze Geschichte beweist wieder einmal, dass es sehr wohl möglich ist, Familie und Job unter einen Hut zu bringen. Wenn der Wille da ist.

Auch wenn besondere Bedürfnisse bestehen, wie bei unserer Tochter.

Ich bin keinen Tag ausgefallen und war alleine wegen der Fürsorge, die mir im Betrieb entgegengebracht wurde, immer motiviert meinen Pflichten sorgfältig nachzukommen und denke, dass ich den Erwartungen gerecht wurde.

Ich danke Angelique, Beerit und Samuel für die lustigen, kuriosen und oft auch stressigen Tage und mach mich jetzt mal zum Arbeiten fertig. Drei Wochenenden haben wir ja noch gemeinsam.

Feuerwerk übern Wörtersee – Fotocredit: Beerit Ahrens

2 Kommentare zu „Saisonende – das Ding mit dem Wörthersee und der Familienfreundlichkeit

  1. Wie schön. 😀 ….. Danke für diesen Tipp. Von der Gastronomie habe ich schon Schlimmes gehört. Wie gerne würde ich als Gast in ein Restaurant gehen, wo respektvoll mit dem Personal umgegangen wird und die Atmosphäre einfach entspannt und gut ist. ….. Da schmeckt es auch gleich besser. 🌻

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  2. Und wieder ein sehr schön gestalteter und erfrischend geschriebener Eintrag mitten aus dem Leben!
    Liebe Laura, ich genieße deine offene lebensfrohe Art, dich mitzuteilen. Danke! Schön zu wissen, dass Bedienen auch Freude machen kann. Ich habe nämlich immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich im Gasthaus sitze und mir Speisen und Getränke bringen lasse und vor allem, wenn ich aufstehe und mein benutztes Geschirr und die bekleckerte Tischdecke und die benutzte Serviette einfach zurück lasse. Irgend jemand wird das wegräumen müssen. Und unwillkürlich empfinde ich Mitleid mit der- oder demjenigen.

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