...und schon gar nicht, wenn das zweite Kind schwer erkrankt den Weg ins Leben angetreten hat. (Mehr darüber gibt es hier zu lesen: https://insociallife.com/2019/06/14/lebertransplantation-was-nun/ )

Doch wir wären nicht wir, wenn wir Normen und gesellschaftlichen Konventionen folgen würden.

Mutter, Vater und zwei Kinder. Älterer Junge, kleines Mädchen. Ungefähr so schaut das Idealbild einer Familie aus. Alle Kinder passen mit dem ganzen Krimskrams problemlos ins Auto, im Hotel reicht ein Beistellbett und die Natur hat einen nicht umsonst mit nur zwei Händen ausgestattet.

Entscheiden sich Familien, wider gesellschaftlichen Erwartungen, gegen diese Logik, müssen sie unsagbar reich und schön sein. Blumige Namen wie Klum, Kardashian oder Beckham tragen – oder eben genau das Gegenteil darstellen. Spontan fallen mir jetzt auf nüchternen Magen nur die Ritters ein und ich finde die reichen auch. Achja und apropos blumiger Namen, natürlich die Wollnys. Eine christlich-konservative Lebensweise zählt auch noch zu den akzeptierten Gründen, wobei nicht einmal Geld und Glaube vor Wahnsinn schützt – was Kanye West für mich immer wieder eindrucksvoll unter Beweis stellt. Aber zurück zum Thema.

Wenn man also nicht in die oben genannten Schubladen einsortiert gehört, wir die Idee vom dritten Kind von vielen als absonderlich aufgenommen. Kommt dann zusätzlich noch eine Zeit langen Bangens und der Ungewissheit hinzu, weil das zweite Kind einen schweren Start ins Leben hatte, scheint diese Vorstellung oberflächlich betrachtet, schier verrückt.

Wir sind „crazy“. Also nicht ernsthaft Kanye-Crazy, sondern Beyoncé-„Crazy In Love“-Crazy. Wir lieben unsere Familie wie nichts anderes auf der Welt. In den letzten Jahren hat sich alles zur Gänze um sie gedreht. Die Aufgabe, die uns das Leben in Gestalt unserer Tochter geschenkt hat, war vor allem in den ersten zwei Jahren ein Fulltime-Job. Mittlerweile betrachten wir unsere Tochter nicht mehr als krank. Sie ist zu einer robusten Rossnatur herangewachsen, um deren Energie wir sie zuweilen beneiden und die ihr Ding durchzieht – komme was wolle…

Rückwirkend betrachtet, haben wir trotzdem das Gefühl, dass uns als Familie etwas verwehrt geblieben ist. Uns fehlt die unbeschwerte Kennenlernzeit, die „normale“ Familien genießen dürfen. Einfach der normal gelebte Alltag, den Eltern und Geschwister mit einem Baby erleben.

Und dann kam dieses mysteriöse Gefühl, es gehöre zu uns noch jemand dazu. Und zwar gerade zu dem Zeitpunkt, als unsere Tochter schon länger stabil war und im Kindergarten startete. Wir wieder mehr Freiheit leben könnten. Ich die Möglichkeit bekam, zwischen zwei sehr guten Jobangeboten zu wählen und mein Sohn endlich die Schule besuchte.

Aber wahrscheinlich waren es genau diese Umstände, die uns in einer lauen Frühlingsnacht zum Entschluss veranlasste, noch einmal das Abenteuer Kind zu beschreiten.

Das ist jetzt ungefähr acht Monate und 20 Kilo her, seit gestern befinde ich mich im Mutterschutz. Ich finde, es ist jetzt Zeit, euch mit riesengroßer Freude zu verkünden, dass mein Blog in ein paar Wochen eine neue Protagonistin erhält!