(dieser Gastbeitrag wurde von Sonja von https://die-gedanken-sind-frei.home.blog/ verfasst. Vielen, vielen Dank! )

„A gmahde Wiesn!“ (eine gemähte Wiese) sagt man in Österreich zu dem was viele Jugendliche als „Easy peasy lemon squeezy“ bezeichnen würden. Eine klare einfache Angelegenheit die ohne viel Aufwand erledigt werden kann.

Dass das mit der gemähten Wiese überhaupt nicht easy, peasy was auch immer ist musste ich in den letzten Wochen feststellen. Unser Rasentraktor war nämlich kaputt. Um die Tragweite der Katastrophe zu verdeutlichen muss ich hinzufügen, dass unser Grundstück nicht nur 4600 m² groß ist sondern auch das Gras schon mindestens einen Meter hoch war.

Mein Mann ist ein viel beschäftigter Mensch der jede Menge dringliche und wichtige Dinge zu erfüllen hat. Nicht erwähnenswerte Kleinigkeiten wie undichte Klomuscheln oder kaputte Rasenmäher müssen sich erst mal hinten anstellen.

Bevor wir Safari-Touren durch unseren Garten, der langsam aber sicher zum Dschungel wurde, anbieten können hab ich mich kurzerhand dazu entschlossen, das Problem selbst in die Hand zu nehmen. Alleine das Eintauchen in die Welt der DIY-Mechaniker gestaltete sich schwieriger als gedacht.

Während der Reparaturphase, die von zahlreichen Rückschlägen und Misserfolgen geprägt war, hab ich so einiges dazu gelernt. Nicht nur, dass sich kleine Nägel wunderbar verbiegen und als Ersatz-Splint verwenden lassen sondern auch darüber, dass man in einer Beziehung einiges an Lehrgeld zahlen muss um den „Gmahde Wiesen Modus“ zu erreichen.

Während ich bei 32 C° fluchend unter dem Rasenmähertraktor lag und nicht wusste ob ich mich mehr über den Traktor oder die Tatsache, dass ich mich in Hühnerkacke gekniet hatte ärgern sollte kamen mir einige Gedanken. Einen Ziegel aufs Gaspedal zu legen und den Traktor irgendwo den Hang hinunter zu schmeißen war noch einer von den freundlicheren Gedanken.

Im Gedanken hab ich meinen Mann verflucht. Dafür, dass ich bei uns gefühlt nicht nur Mama und Ehefrau, sondern auch Papa, Handwerker, Mechaniker, und Dienstleister aller Art bin. Dafür, dass er es versäumt hatte sich um das Pickerl seines Autos zu kümmern und wir somit nur ein Auto hatten. Dafür, dass er 24/7 mit meinem Auto unterwegs war und ich nicht einmal die nötigen Ersatzteile besorgen konnte um eine, in meine Augen, SEINER Aufgaben zu bewältigen. Dafür, dass ich immer der jenige bin der sich wie Münchhausen noch selbst am Zopf aus der Kacke zieht während er Wichtigeres zu tun glaubt.

Und während meine frustrierten Gedanken so schnell Fahrt aufgenommen hatten wie ich mir das vom Rasentraktor gewünscht hätte ist mir einiges klar geworden.

Raum und Zeit statt Zug und Druck!

Wir alle wachsen.
Tag für Tag.
An unseren Aufgaben, unseren Interessen und Träumen.

Eine Beziehung zu führen die nicht nur stabil ist, sondern auch beide Seiten mit Glück erfüllt ist eine Angelegenheit an der wir wachsen (müssen).
Tag für Tag und Jahr für Jahr.

Nicht nur wir sondern auch unsere Partner wachsen an ihren Rollen, Vorstellungen und ja auch an den Situationen in denen sie Scheitern oder Erwartungen nicht erfüllen können

Gerade in diesen Momenten in denen man gerne den eigenen Mann inkl. Rasentraktor über Willhaben gegen eine Flasche Wein tauschen würde brauchen sie eines am meisten.
Zeit und geborgenen Raum um zu wachsen.

Zeit um von sich aus einen Schritt auf uns zu zu machen.
Raum um auch mal einen Holzweg auszuprobieren ohne ein „Hab ichs dir nicht gleich gesagt!“ fürchten zu müssen.
Geborgenheit um gerne nach Hause zu kommen in dem Wissen, dass egal was der Tag gebracht hat, dort jemand ist der ihn liebt.

Der letzte und gleichsam schwerste Punkt ist Geduld.
Auch wenn wir uns wünschen, dass der Frosch in sekundenschnelle durch einen Kuss zum Prinzen wird müssen wir uns mit dem Gedanken anfreunden, dass auch ein Frosch seine Vorzüge hat.
Vor allem vor dem Hintergrund betrachtet, dass wir selbst manchmal ein bisschen zu viel Drache und ein bisschen zu wenig Prinzessin sind.

Gras wächst nicht schneller wenn man daran zieht – alte Landmaschinenmechaniker Weisheit!

Ach ja und Männer, übrigens auch nicht!