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Gestern streikten bei uns unangekündigt die Wasserleitungen. Bei einer Baustelle in der Nähe wurde eine Zubringerrohr beschädigt, die Folge davon war, dass wir ungefähr 1,5 Stunden kein Wasser mehr zur Verfügung hatten. Klingt nicht schlimm? Ist es im Grunde auch nicht, weil wir in einem Land leben, in dem das Wasser sofort aus einer anderen Gemeinde hergeleitet werden kann und auch sonst ein frei verfügbares Gut darstellt. Und trotzdem stimmt mich das nachdenklich.

Jeder hat morgens seine eingefleischten Routinen. Und wenn ihr genau nachdenkt, spielt bei fast jedem Handgriff den man in der Früh tätigt, Wasser eine Rolle. Bei uns läuft das so ab: Ich stehe auf und bereite mir einen Kaffee zu. Automatisch nehme ich den Wassertank, gieße mit dem abgestandenen Wasser die Küchenkräuter auf der Fensterbank und fülle frisches Wasser rein. Soweit verlief gestern auch noch alles unauffällig, der Kaffee war mir noch vergönnt. Als ein wenig später unsere Jüngste aufstand, ging ich mit ihr ins Badezimmer, um sie zu waschen. Ich gehöre zu den Menschen, die zuhause keine Feuchttücher verwenden. Denn auch ich würde es mir wünschen, nach einer vollen Windel mit fließenden Wasser gewaschen zu werden, anstatt mit parfümierten Feuchttüchern oberflächlich geputzt zu werden. Ich trug also meine Kleine ins Badezimmer, befreite sie von ihrer Windel, hielt den zu waschenden Bereich unter den Wasserhahn am Waschbecken und hörte Erst „Gluck, gluck, gluck“ und dann ein langgezogenes „Pfffffff“, das immer leiser wurde und verstummte. Super Situation. Während ich mit dem schmutzigen Baby am Arm nach Notfeuchttüchern suchte, stand der Rest der Familie auf, um sich für den Tag fertigzumachen. Als erstes ging mein Sohn auf die Toilette und spülte. Ein „Luxus“ den er als Einziger an diesem Morgen genießen durfte. Denn es war kein Wasser vorhanden, das den Spülkasten neu befüllt hätte. Schon sehr blöd, so etwas.

Nachdem ich den Sofaüberwurf abzog, den meine Kleinste auf ihrer Flucht vor den gefunden Feuchttüchern beschmiert hatte, stopfte ich ihn natürlich direkt in die Waschmaschine und schaltete sie wie gewohnt ein. Dass diese Aktion sinnlos war, fiel mir natürlich gleich auf. Und wieder ärgerte ich mich. Mittlerweile wartete meine Mittlere in der Küche, sie muss morgens, bevor sie etwas essen oder trinken darf, ihr Medikament zur Immunsuppression nehmen, das natürlich, wie kann es anders sein, in Wasser gelöst wird. Das Telefon zwischen Schulter und Ohr geklemmt, rief ich bei der Gemeinde an, um mich zu erkundigen, wie lange dieser Zustand anhalten wird, natürlich war die Leitung besetzt. Nebenbei zog ich mit einer Spritze das Wasser aus dem Tank der Kaffeemaschine, um meiner Tochter die morgendliche Suspension zu bereiten. Wir haben im Normalfall, so wie auch an diesem Morgen, kein Stilles Wasser zuhause, denn das Wasser aus der Leitung, hat eine hervorragende Trinkqualität, sofern es verfügbar ist.

Duschen und Zähneputzen war natürlich auch nicht möglich, der volle Geschirrspüler musste ebenfalls warten, bis die Gemeinde die Wasser-Zuspeisung aus der Nachbargemeinde fertiggestellt hatte. Mittlerweile hatte ich den Wassermeister telefonisch erreicht und er hat mich gebeten, mich noch ein wenig zu gedulden, er und sein Team arbeiteten unter Hochdruck an der Lösung dieses Problems.

Nach ungefähr 1,5 Stunden lief das Wasser wieder aus allen Leitungen und ich hüpfte schnell unter die Dusche. Während ich mir die Haare wusch, dachte ich darüber nach, wie abhängig wir von dem, als selbstverständlich wahrgenommen Gut waren und was es eigentlich bedeutet, wenn wir kein Wasser zur Verfügung haben. Also begann ich mittags ein bisschen zu recherchieren. Ich las einige sehr interessante Artikel über Wasser, überlasse aber die ökologische und nachhaltige Diskussion den Experten, möchte euch hier aber ein paar interessante Fakten mit auf den Weg geben:

Österreich zählt zu den wasserreichsten Ländern Europas. Das Trinkwasser kommt zur einen Hälfte aus Wasserquellen, die andere Hälfte aus den Grundwasserressourcen. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge entspricht dem doppelten Volumen des Bodensees, klimatische Veränderungen beeinflussen jedoch immer mehr die regelmäßige Verteilung des Niederschlags. Neben längeren Trockenzeiten, gibt es immer öfters Starkregenzeiten, die zu Hochwässern führen.

Wasserknappheit wird in Europa immer mehr ein Thema. Seit 1980 haben Dürrefälle in Europa an Zahl und Schwere zugenommen. Die Wassernachfrage indessen ist seit 1970 um 60% gestiegen.

20-40 % der Wasservorräte verschwinden unnotwendigerweise durch Lecks im Rohrsystem, durch tropfende Wasserhähne oder Überbewässerung in der Landwirtschaft.

Technisch ist es möglich Wasser am Mars zu extrahieren, die künstliche Herstellung von H2O ist aber weder auf der Erde noch sonst wo möglich.

Zur Produktion von einem Kilo Rindfleisch werden 16.000 Liter Waser benötigt, für zweieinhalb Avocados rund 1000 Liter.

Ich könnte hier noch sehr lange weiterschreiben, wenn euch das Thema ebenfalls zum Nachdenken bringt, findet ihr hier am Ende noch ein paar interessante Links. Wir müssen dieses Thema am Radar haben. Denn ich persönlich möchte meinen Kindern eine wasserreiche Welt hinterlassen, was aber viel weniger selbstverständlich ist, als wir vielleicht annehmen.

https://www.unesco.de/presse/pressematerial/un-weltwasserbericht-2019-daten-und-fakten

https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/weltwassertag-2021-zehn-fakten-ueber-wasser/172968

https://www.eea.europa.eu/de/signale/signale-2018/artikel/wassernutzung-in-europa-quantitaet-und