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Kaum ein Moment im Leben einer Frau ist aufregender, als die Geburt ihres Kindes. Und so ist es nur selbstverständlich, dass wir alle schon im Vorhinein eine ganz genaue Vorstellung haben, wie alles abzulaufen hat. Diese Wünsche kommen natürlich nicht rein aus unserer eigenen Mitte, kaum eine Frau kennt nicht wenigstens einen detaillierten Geburtsbericht aus ihrem Freundeskreis. Es ist fast so, als wäre jede frischgebackene Mutter automatisch zu einer Expertin im Bereich der Geburtenhilfe geworden – was auf sie selbst wohl auch zutrifft. Aber es ist nun mal so, dass jede Frau, jede Familie und jede Geburt keiner anderen gleicht.

Als ich mein erstes Kind erwartete, war das Thema für mich eigentlich von Anfang an klar und der Ablauf schon vorgezeichnet. Meine Großmutter war Zeit ihres Arbeitslebens Hebamme am Land und hat tausenden Kindern auf die Welt geholfen. Auch ich, so wie meine Geschwister und Cousinen sind mit ihrer Hilfe, allesamt zuhause auf die Welt gekommen. Somit war auch für mich klar, was anderes als eine Hausgeburt kommt für mich und meinen Sohn nicht infrage. Ich lehnte schmerzstillende Medikamente im Vorhinein ab, eine PDA oder gar einen Kaiserschnitt hielt ich für absolut unmöglich. Ich suchte mir also eine Hebamme, die im Rahmen ihrer Arbeit auch Hausgeburten unterstütze. Die Suche gestaltete sich komplizierter als ich dachte und die Hebamme, die ich dann letztendlich fand und beauftragte, war mir vom ersten Augenblick an unsympathisch. Und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Heute könnte mir so etwas nicht mehr passieren, denn inzwischen bin ich fähig meinem Gefühl vollauf zu vertrauen – aber so wie bei vielen Dingen im Leben, steckt auch hier ein längerer Lernprozess dahinter.

Lange Rede, kurzer Sinn. Mein Gefühl täuschte mich nicht und die geplante Hausgeburt ging völlig in die Binsen. Ich möchte hier nicht auf Details eingehen (Fragen dazu beantworte ich gerne in den Kommentaren), aber zwölf Stunden nach dem Blasensprung und einer langen, qualvollen Zeit in den Wehen, fuhr ich mit der Rettung ins Krankenhaus, wo ich die notwendige medikamentöse Unterstützung erhielt, meinen Sohn trotzdem noch gesund auf die Welt zu bringen. Drei Stunden nach der Geburt verließ ich mit ihm das Krankenhaus um mich mit ihm zuhause auszuruhen – aus einer geplanten, natürlichen Hausgeburt wurde eine ambulante Geburt mit Buscopan.

Als ich mein zweites Kind erwartete, wusste ich eines ganz genau: Das Thema Hausgeburt kam für mich auf keinen Fall mehr in Frage. Und weil ich mit der Unterstützung des örtlichen Krankenhauses bei meiner ersten Geburt sehr gute Erfahrungen gemacht habe, entschied ich mich diesmal gleich für eine ambulante Geburt. Und als der Tag X kam und ich wieder einen vorzeitigen Blasensprung hatte, fuhr ich gleich mit der Rettung ins Krankenhaus und erlebte die nächste, völlig anders geplante Geburt. Nach zwölf Stunden Schmerzen und muttermund-unwirksamer Wehen, verschlechterten sich die Vitalwerte meiner Tochter dramatisch und aus der geplanten ambulanten Geburt wurde ein Notkaiserschnitt. So weit ging alles gut, den Ärzten glückte die Rettung im letzten Moment. Trotz Kaiserschnitt, der mir übrigens sehr wenig Schmerzen bereitete, verließ ich mit meiner Tochter nach drei Tagen das Krankenhaus – aus einer geplanten ambulanten Geburt, mit maximal Buscopan als Medikament, wurde ein Notkaiserschnitt mit PDA.

Als ich mein drittes Kind erwartete, wusste ich schon, bevor ich überhaupt schwanger wurde, dass ich mir diesmal das ganze so anstrengende Wehen-Treiben ersparen würde und beschloss, dieses Kind würde gleich per Kaiserschnitt das Licht der Welt erblicken. Im Laufe der Schwangerschaft fing ich jedoch wieder an zu zweifeln, meine Entscheidung war zuletzt die, dass ich es kurz „so“ probieren würde. Wenn es irgendwelche Anzeichen für Komplikationen geben würde, oder sich die Schmerzen für mich zu schlimm anfühlen würden, dann bekam ich meinen „Wunschkaiserschnitt“. Insgeheim wusste ich, dass auch mein drittes Kind per Kaiserschnitt geholt werden würde. Aber, wie ihr euch schon denken könnt, kam es wieder anders.

Gut zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin steckte ich mich mit der Influenza A an. Ich hustete nonstop und das hohe Fieber, gegen das ich ja nicht wirklich was nehmen konnte, löste letztendlich die Wehen aus und so holte mich die Rettung ab und brachte mich ins Krankenhaus. Die diensthabende Hebamme schaute sich die Unterlagen durch und als sie meinen „Geburtsplan“ durchlas, fragte sie mich, was wir nun machen sollten. Komplett fertig, krank und verheult sagte ich „Kaiserschnitt“. Sie schaute mich an und antwortete: „Mit Ihrem Husten? Das wird dann ein Spaß mit der frischen Narbe.“ Und so schaffte sie es tatsächlich, mich zu einer normalen Geburt zu bewegen. Innerhalb von zwei Stunden war meine Tochter da. Einziges Schmerzmittel: Mexalen – gegen mein Fieber. Ich verließ noch am nächsten Tag das Krankenhaus, weil auf der Geburtenstation eine grippekranke Frau eher ungewollt war, meine Tochter durfte ich wegen der Infektionsgefahr nicht mit nachhause nehmen und ich musste eine ganze Woche warten, um sie endlich in meine Arme schließen zu können.

Wie ihr seht, Geburten haben immer Überraschungen zu bieten. Natürlich wird es sehr viele andere Beispiele geben, bei denen alles nach Plan ablief und deren Eltern euch auch immer wieder davon erzählen werden. Ich möchte damit aber sagen, dass eure Erwartungshaltungen vielleicht nicht erfüllt werden und es letzten Endes nur darum geht, dass ihr und euer Baby gesund seid. Denn das ist das einzig Wichtige!