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Schon wieder diese Sexismus-Debatte? Schon wieder diese „Hysterie“? Das Wort Hysterie kommt übrigens vom altgriechischen „hysteria“, zu deutsch Gebärmutter und ist an sich schon ein diskriminierender Begriff, der uns Frauen als unzurechnungsfähige Hormonopfer hinstellt. Wenn ihr nun genervt mit den Augen rollt, möchte ich euch zu einem kleinen Gedankenspiel einladen.

Stellt euch vor, eurer Mutter wird nachgesagt, sie würde sich „nuttig“ kleiden. Dann möchte ich euch darum bitten, eure Reaktion auf so eine Äußerung zu überdenken und euch darüber Gedanken zu machen, wie sich eure Mutter infolge so einer Äußerung fühlt.

Okay. Eure Mutter würde sich niemals „nuttig“ kleiden? Sie fällt nicht in dieses Schema Frau? Dann ist sie vielleicht alternativ „unterfickt“, ein „Mannsweib“ oder einfach nur ein „Hausdrache“. Es ist zwar nicht jede Frau eure Mutter, aber jede Frau ist ein Mensch. Und Sexismus betrifft weitläufig nicht nur Frauen, auch Männer, die sich der zugeordneten Geschlechterrolle nicht fügen. Und nun zu meiner Wortwahl:

Ihr findet, das sind unschöne Worte? Stimmt. Aber leider unser Alltag. Sexistische Äußerungen stehen leider nach wie vor an der Tagesordnung. Und zwar am Arbeitsplatz, in der Werbung, in der Schule, auf der Straße, in Zeitungsberichten (statt von grausamen Morden an Frauen wird meistens über „Familiendramen“ getitelt) und auch überall anders. Sexismus existiert in allen Bereichen des Lebens.

Sexismus bedeutet nämlich nicht nur, jemanden ausschließlich sexuell zu bedrängen. Hierbei geht es darum, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechtes diskriminiert und angegriffen werden. Das beginnt bei sexistischer Sprache (siehe Wolfgang Fellners „Nuttensager“) und herablassenden Kommentaren über das Aussehen von Frauen. Dieser ganze sexistische Mist ist noch immer salonfähig. Das macht mich echt müde.

Ich habe mal einen Artikel gelesen, wie wir Frauen „schlagfertig“ auf solche Aussagen reagieren sollen. Ein dort beschriebener Ratschlag war, den verbalen Angriff gewitzt zu kontern, um die Situation zu entschärfen und mit ein wenig Lachen auf beiden Seiten, den Kopf aus der Schlinge zu bekommen. Ich sehe das als den absolut falschen Weg. Nie im Leben sollte man auf Sexismus mit einem Humor reagieren, denn dafür ist die Situation zu ernst und warum sollte ich mein niederträchtiges Gegenüber auch noch amüsieren? Vielmehr müssen wir den Weg der direkten Konfrontation nehmen und im besten Fall gleich nachfragen, wie diese Aussage denn genau gemeint ist und sofort klarstellen, dass solche Worte oder Taten nicht toleriert oder gar akzeptiert werden. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass die Täter dann meistens einen Rückzug machen. Denn um die Dinge dann wirklich noch einmal beim Namen zu nennen, fehlt es ihnen an Mut. Apropos Mut – ein extrem wichtiges Instrument gegen Sexismus im Alltag ist Zivilcourage. Wenn man merkt, dass die Dinge aus dem Ruder laufen und sich das Opfer nicht wehren kann, muss man einschreiten. Denn auch scheinbar harmlose Vorfälle erzeugen ein Gefühl der Unsicherheit, Angst und Einschüchterung.

Was bei dummen Witzen und Machogehabe beginnt, bereitet den Weg für die nächsten Stufen der Unterdrückung. Eine falsche Toleranz, beziehungsweise das Abtun als Lappalie lässt nämlich die Grenzen verschwimmen. Die Opfer werden dadurch immer wehrloser gemacht. Und manche Täter werden stärker. Dann geht es aber nicht mehr nur um dumme Meldungen, sondern um körperliche Übergriffe, Stalking, psychischer Unterdrückung, bis hin zu sexistisches motivierenden Morden. Über den Vorzug von Männern in fast allen beruflichen Bereichen fange ich erst gar nicht an. Das ist ein Thema für sich.

Um was es geht ist, Sexismus sofort zu erkennen. Ihn beim Namen zu nennen und dem Ganzen bewusst entgegen zu treten. Jede Frau könnte eure Mutter, eure Schwester, eure Partnerin sein. Und abgesehen davon sind wir in erster Linie gleichberechtigte Menschen.