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Als ich heute Morgen aufgewacht bin war sie da. Die Gewissheit, dass es so nicht weitergeht.

Seit unsere jüngste Tochter auf die Welt gekommen ist, hat mit ihr das Chaos in unserem Leben Einzug gefunden. Natürlich gebe ich nicht dem Kind die Schuld, dass es so aussieht, wie es aussieht. Und obwohl ich prinzipiell ein ordentlicher Mensch bin, liegt die Schuld bei mir. Bevor ich Mutter wurde, hatte ich dieses Chaos-Problem nicht. Ich bin nämlich von Natur aus ein minimalistischer Mensch. Aber was bedeutet Minimalismus eigentlich?

Minimalismus bedeutet, sich auf die wirklich notwendigen Dinge im Leben zu beschränken. Das fängt im Kleiderschrank an, betrifft unser Konsumverhalten im Allgemeinen und geht bis hin zum achtsamen Medienkonsum. Wenn man alleine lebt und für seine Besitztümer selbst aufkommen muss und diese zu ordnen und verwalten hat, ist das eine relativ einfache Sache. Mit Familie und Kindern ändert sich die Lage aber sehr schnell. Was leider ein riesengroßer Fehler ist.

Beim ersten Kind hält sich die Katastrophe noch in Grenzen. Spielzeug und Kinderkleidung sind noch nicht im Übermaß vorhanden, aber schön langsam füllt sich das Kinderzimmer. Denn nicht nur wir Eltern haben Freude daran, unsere Kind zu beschenken, auch Freunde und Verwandte geizen nicht mit kleinen Aufmerksamkeiten. Und so kommt es, dass das Kind irgendwann einmal von jedem Dorf einen Hund hat und vorlauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht. Als Elternteil gehen wir dann her, räumen in der Abwesenheit des Kindes heimlich Sachen in den Keller, denn zum Wegschmeißen oder zum Verkaufen sind die Sachen zu schade, gerade bei Geschenken von den Verwandten tu ich mir persönlich schwer damit. Abgesehen davon wird das nächste Kind bestimmt damit spielen. Und so kommt es, dass unser Keller irgendwann einmal so vollgestopft ist, dass wir sowieso nichts mehr finden und wir längst den Überblick verloren haben, wo sich was befindet. Und dann kommt das zweite Kind.

Und wieder füllt sich ein Zimmer, Schritt für Schritt, mit Kram. Hinzu kommt, dass sich das zweite Kind in einer anderen Entwicklungsstufe als das erste befindet und so findet der Prozess des Ansammelns von Kram doppelt statt. Denn auch der gutgefüllte Keller haltet niemanden auf, den neuesten Trends am Spielzeugmarkt zu folgen. Schon gar nicht unwissende Verwandte und Freunde.

Mit der Geburt unseres dritten Kindes hat sich die Situation insofern noch mehr verschärft, als dass unsere Jüngste die Zimmer der Großen unbeaufsichtigt nicht betreten kann, da in jeder Kiste und Lade, sowie am Boden und auf den Flächen, überall Kleinteile, Stifte, Bastelzeug und Farben zu finden sind, die in ihrem Alter eine große Gefahr darstellen, weil sie sich alles in den Mund steckt. In der Praxis laufe ich den Kindern den ganzen Tag nach und ruf ihnen zu, sie mögen bitte die Türen schließen. Oft genug übersehe ich das dann trotzdem und komme im letzten Moment dazu, um die Einjährige, unter lautstarken Protest, aus dem Zimmer zu „retten“. Das Chaos verteilt sich mittlerweile auch ins Wohnzimmer, die Kleine braucht auch ihren Platz zum Spielen.

Mich stresst dieser Zustand sehr und es gehört eine Veränderung her. Dass diese Veränderung ausschließlich die Kinderzimmer zu betreffen hat, ist allerdings ein Irrglaube. Ich weiß auch, dass das nicht von heute auf morgen passieren kann und Veränderung, wenn sie nachhaltig sein soll, langsam und schrittweise zu erfolgen hat. Ziel des Ganzen ist es, uns von wirklich allem Unnotwendigen zu befreien und wieder Luft zum Atmen zu haben. Die Dinge auf eine überschaubare Anzahl zu reduzieren, damit alles seinen Platz hat und diesen nach Verwendung wiederfindet.

Den Kindern die Möglichkeit geben, sich über weniger zu freuen, statt im Überfluss der Dinge, die Übersicht zu verlieren und damit auch die Sorgsamkeit, wie sie damit umzugehen haben. Natürlich wird es auch ein Thema sein, unser Konsumverhalten soweit zu verändern, dass nicht wieder unzählige neue Dinge angeschafft werden und was sicherlich einer der schwersten Punkte sein wird, wir müssen unserem Umfeld unterbreiten, dass sie bitte von schnellen Geschenken aller Art Abstand halten sollen. Ohne unhöflich zu wirken, oder jemanden vor den Kopf zu stoßen.

Ins Tun kommen. Ich beginne nicht morgen, sondern gleich heute. Mache mir einen Plan, wie ich das Ganze angehe. Was ich an meinem Konsumverhalten dringend ändern möchte. Überlege mir, was benötigen wir wirklich. Um zeitsparend zu arbeiten. Ich werde ich mir eine Liste machen, von Dingen, die tagtäglich zu erledigen sind. So geht was weiter und der Fortschritt ist messbar.

Wie lebt ihr? Seit ihr schon längst im Minimalismus angekommen, ist euch das ganze Thema egal oder habt ihr auch das Gefühl, dass Veränderung hergehört? Ich freue mich über eure Antworten. Vielleicht findet sich die eine oder andere Familie, die sich meinem Familien-Minimalismus-Projekt anschließen möchte und wir starten eine kleine Familien-Minimalismus-Challenge starten! Minimalismus-Challenge für Familien Tag 1-5