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„Nicht schon wieder ein Blogbeitrag vom perfekten Haushalt einer Mutter“ – wenn ihr das gerade denkt, bitte weiterlesen. Ich wasche und sauge nämlich aus anderen Gründen, außerdem dusche und föhne mich auch. 😉

Als unser drittes Kind endlich bei uns war, erlebte ich etwas, das ich vorher nicht kannte. Jeden Abend, pünktlich um 19.00 begann unser sonst so ruhiges und zufriedenes Baby zu schreien. Es weinte nicht, es schrie wie am Spieß und war nicht zu beruhigen. Es half nicht, es am Arm zu schaukeln oder beruhigende Lieder zu singen, auch das Anlegen an meine Brust verweigerte sie, ein Fläschchen als Ersatz (ich dachte anfangs, dass ich zu wenig Muttermilch hätte) verstärkte das Schreien sogar noch. Es kam mir zeitweise vor, als würde sie sich gegen uns regelrecht wehren. Ich machte mir in der ersten Zeit wirklich Sorgen und untersuchte die Kleine genau auf Verletzungen oder andere verdächtige Merkmale. Auffällig war auch, dass sich unser Kind nach ungefähr 45 Minuten von selbst beruhigte und als wäre nie etwas gewesen, einschlief.

Die 45 Minuten Schreien waren wir nicht geheuer, also suchte ich im Internet nach Gründen, Tipps und Ratschlägen. So stoß ich auf den Begriff „Schreistunde“. Dieses Wort war mir nicht unbekannt. Meine Großmutter, pensionierte Landhebamme verwendete den Begriff oftmals, wenn ich meinen Sohn, damals noch ein Baby probierte zu beruhigen. Ich schob das damals auf die alte Schule und nahm das nicht ernst. Kurz erklärt: die „Schreistunde“ ist die Folge von Anpassungsproblemen, die manche Babys anfangs noch haben. Unsere Welt ist für sie ganz neu. Außerhalb des schützenden, warmen, dunkleren Mutterleibs prasseln so viele Eindrücke auf sie ein. Es ist greller, lauter, sie spüren Berührungen direkt auf ihrer Haut, die Gerüche sind ihnen noch fremd und vieles mehr passiert rund um sie, an das sie sich erst gewöhnen müssen. Am Ende des Tages sind diese kleinen Wesen so gefordert von allem, dass sie einfach nur schreien. Das ist ihr Weg, die Dinge zu verarbeiten.

Eine gute Freundin gab mir dann den alles verändernden Tipp: Der Föhn. Einfach den Föhn einschalten und das Baby würde sich beruhigen. Ich war erst etwas skeptisch, aber es funktionierte tatsächlich. Unsere Kleine hörte zwar nicht sofort auf zu schreien, aber sie schrie weniger heftig und beruhigte sich viel, viel schneller. Und schlief mit dem Föngeräusch dann auch ein. Schalteten wir den Fön aus, wachte sie wieder auf.

Der Grund für diese Phänomen liegt wohl an der Geräuschkulisse im Mutterleib. Das Geräusch des Föns ähnelt anscheinend dem Ton des Blutrauschens im Bauch, dass das Baby neun Monate durchgehend gehört hat. Und so fühlt es sich wieder „zuhause“ und geborgen. Wir stellten fest, dass das nicht nur mit dem Fön funktionierte, sondern auch mit dem Staubsauger und mit vielen anderen Geräten, die ein gleichmäßiges Geräusch erzeugen.

Mittlerweile ist unser Baby fast kein Baby mehr, sondern ein Kleinkind. Sie schläft nicht mehr so einfach an meiner Brust ein, seit sie aufsteht und gehen kann, gibt es viel zu viel zu entdecken und wenn sie am Vormittag einfach einschläft, versäumt sie vielleicht etwas. Grundsätzlich verstehe ich sie ja, allerdings muss ich dazu sagen, dass sie den Vormittagsschlaf, sowie den Nachmittagsschlaf noch sehr, sehr nötig braucht. Aber der Trick mit den Geräuschen funktioniert noch immer, wenn auch in abgeänderter Form

Und so habe ich mir eine Strategie zurecht gelegt, wie sie trotzdem zu ihrem Powernap kommt: Ich nehme sie in ihrer Wippe mit ins Badezimmer, starte die Waschmaschine und gehe duschen, dabei stelle ich sie so hin, dass sie mich sieht. Die Kombination dieser zwei Geräusche lässt sie normalerweise innerhalb von Minuten einschlafen. In Sonderfällen, in denen sie noch munter ist, föhne ich meine Haare. Spätestens dann ist sie weg.

Am frühen Nachmittag warte ich ab, bis sie die ersten Anzeichen von Müdigkeit auftauchen. Dann beginne ich zu saugen. Fast immer geht mein Plan auf und zusätzlich zu einem ausgeschlafenen Kind habe ich dann auch einen sauberen Boden. Ein sehr positiver „Nebeneffekt“. So habe ich mehrere Sachen gleichzeitig erledigt und meine Tochter genießt den anschließenden Spaziergang fröhlich und munter. Ihr seht – ich bin keine perfekte Hausfrau, alles ist Mittel zum Zweck.

Es ist natürlich so, dass diese Tipps nicht für jedes Kind passen. Mein Großer hat tagsüber prinzipiell nie geschlafen, meine Mittlere war dagegen wieder sehr einfach zufrieden zu stellen. Ein Fläschchen hat gereicht und sie war im Träumeland. Aber wenn ihr auch mit abendlichen Schreien zu tun habt oder das Einschlafen nicht funktionieren will, probiert das mit dem Föhn oder Staubsauger einfach mal aus. Uns hat das wirklich geholfen.