Hier könnte ein hochpädagogischer Beitrag stehen. Tut es aber nicht. Anstattdessen habe ich einen Lösungsansatz. Denn erstens seid ihr auf insociallife.com und nicht auf sociallife.com und zweitens finde ich, dass Kinder Schimpfwörter gebrauchen dürfen. Es ist nämlich unvermeidlich. Sie machen es so oder so. Kinder kommen spätestens in der Volksschule damit in Verbindung und wollen „neu gelerntes“ auch gleich in der praktischen Anwendung ausprobieren. Da hilft kein Predigen, kein Schimpfen und kein Bestrafen. Denn spätestens wenn sie bei der Tür raus sind, wird wieder blöd daher geredet.

Also wie soll man damit umgehen? Zugegebenermaßen nerven mich manche Ausdrücke schon sehr. Die Liste wird von den Klassikern „Alter“, „schwul“ und „behindert“ angeführt und trotz aufklärender Gespräche haltet sich die Triade des absoluten Gossenwordings hartnäckig und fällt in Streitgesprächen unter den Kindern immer wieder. Darauf angesprochen verbünden sich die Streitparteien wieder und streiten alles ab. Denn wenn es um das Vermeiden von Konsequenzen geht, wird das Kriegspeil meist begraben.

Wie soll es nun weiter gehen? Trotz aller Toleranz bluten meine feinen Mutterohren beinahe und wie in vielen anderen Bereichen im Leben muss man Niederlagen erkennen, akzeptieren und andere Lösungswege finden. Unser Lösungsweg in dieser Sache heißt „Entkriminalisierung“. Denn Offenheit bedeutet Wissen und Wissen bedeutet Kontrolle. Und so bekamen meine Kinder ein Buch geschenkt. „Das neue Schimpfwörterbuch“ – ein Lexikon mit vielen, vielen neuen Schimpfwörtern, die meistens viel weniger herb und um einiges kreativer und ausgefallener als die üblichen Verdächtigen. Meine Kinder lesen darin mir großen Vergnügen und tauschen die abgedroschenen Phrasen mit neuem Stoff. So wird der „Trottel“ zum „Kleisterkopf“, der „Scheiß Angeber“ zur „Quadratschnauze“, die „elendige Petze“ zur „Tratschkaddel“.

Die Kinder lieben dieses Buch und auch ich muss sehr oft schmunzeln, denn bei der altklugen Anwendung dieser meist etwas altbackenen Wörter erscheinen meine Kinder wie kleine „Lallköppe“ (Scheltwort für jemanden, der nur dummes Zeug redet) aber wenigstens nicht wie unflätige „Schandmäuler“ (derbe Schelte für einen lästerlichen, boshaften und gemeinen Menschen, der über andere böse herzieht). Und ich steh wenigstens nicht wie der letzte Schambes (abfällige Bemerkung für einen albernen Menschen, der meistens von seinen Mitmenschen zum Narren gehalten wird) da.

Kinder machen verschiedene Entwicklungen durch. Und dazu gehört es auch, ihre eigene Identität zu finden und sich von den Eltern abzugrenzen. Dazu zählt es leider nun mal auch, dass sie sich sprachlich emanzipieren und teilweise ziemlich arg daherzureden. Natürlich zählt es zu unseren Aufgaben, bei Beschimpfungen regulierend zu wirken, aber ich persönlich finde, wir dürfen unseren Kindern einen gewissen Raum geben. Denn alles, was streng verboten ist, wird sowieso gemacht. Und alles was heimlich gemacht wird, ist außerhalb unseres Einflussbereiches. Also cool bleiben.

Alles liebe Laura

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