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Wer in Kärnten seine kleinen Kinder in Fremdbetreuung gibt, profitiert jetzt schon von einer finanziellen Erleichterung bis zu 1884 Euro im Jahr. Ab Herbst 2021 wird diese Summe erhöht, zusätzlich fallen in die Berechnung nunmehr die gesamten 12 Monate, statt wie bisher nur 11 Monate. Für die Zukunft ist weiters geplant, für jedes Kärntner Kind den Rechtsanspruch zu schaffen, ab dem ersten Geburtstag in den „Genuss“ eines Betreuungsplatzes zu kommen. Soweit so gut. Was sich wie das kinder- und familienfreundliches Rettungs-Eiland im stürmischen Ozean der Berufstätigkeit darstellt, erscheint bei genauerem Betrachten ungerecht und hat eine Kehrseite, die leider von Seiten der Politik und Frauenstellen völlig unerwähnt bleibt.

Die Kärntner SPÖ macht es vor – seit Jahren kämpft sie gegen zusätzliche Belastungen für Familien, wenn es um das Thema Kinderbetreuung geht. Und das sehr erfolgreich. Seit 2018 gibt es spürbare Zuschüsse zu den Kosten der Kinderbetreuung, abgerechnet wird direkt mit den Kinderbetreuungseinrichtungen. Ich gebe zu, als Familie spart man sich dadurch, übers Jahr gesehen, eine Menge Geld.

Ab Herbst werden die Zuschüsse noch einmal deutlich erhöht, sogar Kosten für Tageseltern und Kinderkrippen fallen in das Projekt „Kinderstipendium“. Selten sind sich die Parteien in ihrer Meinung derartig eins, als wie bei dieser Thematik. „Frauen den Wiedereinstieg in den Beruf erleichtern“, „Kinder so früh wie möglich bilden“, „Maximale Flexibilität im Arbeitsleben von Alleinerziehenden garantieren“, „Die soziale Kompetenz von Kindern fördern“ – das sind nur einige der Phrasen, die überparteilichen Applaus garantieren. Das Thema ist gut und hat auch durchaus seine Berechtigung, denke ich aber darüber nach, kommt in mir ein komisches Gefühl auf.

Ich persönlich bin Mutter von drei Kindern und kann aus meiner Erfahrung von den verschiedenen Aspekten der (frühen) Kinderbetreuung berichten.

Mein Ältester besuchte schon sehr, sehr jung eine Krabbelstube – als er siebzehn Monate alt war, entschloss ich, ein neues Kapitel in meinem Leben aufzuschlagen und begann eine völlig neue Ausbildung. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich ausschließlich abends gearbeitet, die Betreuung meines Sohnes erfolgte im Familienverband. Mit dem neuen Betreuungsbedarf, der nun tagsüber bestand, blieb mir keine Wahlmöglichkeit und so brachte ich meinen Sohn fünf Tage die Woche, meist ganztags, in eine Krabbelstube. Die Krabbelstube war gut ausgewählt, die Pädagoginnen verstanden ihren Beruf als Berufung und waren mit Herz und Seele dabei.

Praktisch war es leider trotzdem so, dass mein Sohn einfach zu klein war, um zu verstehen, warum er dort seine Tage verbringen musste. Trotz Eingewöhnungszeit und so weiter, brachte diese Lebensveränderung für ihn nicht nur Gutes. Ich musste ihn abstillen, er hatte plötzlich völlig andere Ruhe- und Schlafzeiten und war einfach nicht mehr bei mir – der Punkt, der ohne Zweifel für ein Kind in diesem Alter essenziell ist und durchaus Auswirkungen auf das Verhalten hat. Aus heutiger Sicht würde ich so nicht mehr handeln. Und obwohl jedes Kind andere Bedürfnisse hat, habe ich mir mein Leben mittlerweile dahingehend eingerichtet, dass ich garantiert ohne Betreuung von Kinder, die fast noch Babys sind, auskommen kann.

Das heißt in meinem persönlichen Fall, ich bin zuhause. Ich verbringe meine Tage mit der Betreuung unserer Jüngsten, die mittlerweile auch siebzehn Monate alt ist, erledige den Haushalt, empfange meinen Ältesten, wenn er von der Schule nachhause kommt und bringe unsere Mittlere in den Kindergarten, den sie auf eigenen Wunsch seit sie 3,5 Jahre alt ist, besucht. Ich kümmere mich um das ganze Drumherum, das ein Familienleben mit sich bringt, die Liste der Aufzählungen wäre hier zu lange. Und ab Abend dann, arbeite ich. Ja. Richtig gelesen, ich gehöre zu dem großen Prozentsatz der Frauen, der es sich eben nicht „leisten kann“, ausschließlich für die Familie da zu sein.

Es geht nämlich in meiner Berechnung nicht nur um das Geld im Hier und Jetzt, ich arbeite unteranderem deswegen, weil ich im Pensionsalter kein böses Erwachen erleben möchte. Mittlerweile werden Kinderbetreuungszeiten zwar angerechnet, mehr als 24 Monate pro Kind ist es den Entscheidungsträgern aber nicht wert, Müttern oder auch Vätern und ihren Kindern, den Rücken freizuhalten. Wer also im Alter nicht verzichten will, geht so schnell wie möglich wieder arbeiten. Und bekommt dafür die volle Unterstützung von Seiten des Landes.

Was für viele Familien eine große Erleichterung darstellt, wirft für mich aber die Frage auf, warum bekomme ich keinen Zuschuss, wenn ich meine Jüngste zuhause betreue? Nur weil ich abends im Homeoffice arbeite? Die Entscheidung, warum ich Kinder bekommen habe, hatte selbstredend nichts mit dem Verlangen nach finanzieller Bereicherung zu tun, aber auch nicht damit, dass ich sie schon so früh aus der Familie gebe, damit sie von fremden Menschen betreut werden. Ist es denn dann so, dass die Wertigkeit, ein Kind so lange wie möglich bei der Mutter bleiben zu lassen, eine Geringere ist, als die, ein Kind in eine Einrichtung zu geben?

Der Rechtsanspruch auf die ganztägige Kinderbetreuung ab dem ersten Geburtstag lässt mich weiter aufhorchen – an was ist dieser Rechtsanspruch denn gekoppelt? An die Berufstätigkeit der Eltern? Was für mich zwar einerseits ein logischer Zugang wäre, allerdings dahingehend ein Problem darstellen würde, wenn man bedenkt, dass es sehr viele arbeitssuchende Frauen gibt, die ohne bereits bestehende Kinderbetreuung überhaupt nicht die Möglichkeit haben, wieder berufstätig zu werden. Andererseits denke ich, viele Eltern würden die Betreuung auch dann in Anspruch nehmen, wenn da gar kein praktischer Bedarf bestünde, obwohl sowieso jemand zuhause ist und sich, meiner Meinung nach, dem Alter mehr entsprechend, um ein einjähriges Kind kümmern könnte.

Das Thema Alleinerziehende wird bei den blumig ausgeführten Schilderungen der Kinderbetreuungszukunft von Kärnten immer wieder erwähnt – aber wäre es nicht genau für dieses Elternsegment eine weitere, vielleicht bessere Variante, noch ein wenig länger mit dem Kind zuhause zu bleiben und dafür eben auch einen finanziellen Zuschuss vom Land zu bekommen?

Ich kann mir nicht helfen, in mir wächst zunehmend das Gefühl, dass die Politik nur scheinbar auf Familienfreundlichkeit abzielt und vielmehr darauf hinarbeitet, dass sich möglichst Jeder und Jede positiv auf die Wirtschaft auswirkt. Was als Chance für Kinder deklariert wird, ist in einem kritischeren Blickwinkel zu betrachten – wir sollten hergehen und Eltern zutrauen, ihre Jüngsten im Kleinkindalter auch zuhause angemessen zu fördern. Und das auch zu honorieren. Selbstverständlich bin ich dafür, Familien finanziell in allen Belangen zu unterstützen – aber bitte bleiben wir gerecht – damit das Wort „Wahlmöglichkeit“ wieder an Bedeutung gewinnt!