Klara meisterte dieses Jahr den Jägersteig am Dobratsch

Fünf Jahre ist es nun her. Auf den Tag genau. Denke ich an diese Zeit zurück, war der 29. August 2016 der Tag, der uns gerettet hat. Nicht nur Klara, uns alle.

In meiner Erinnerung sehe ich eine Familie, die erschöpft war. Die monatelange Belastung, einhergehend mit zermürbender Ungewissheit und fehlender Perspektiven bezüglich Klaras Zukunft, hat uns alle an unsere äußersten Belastungsgrenzen gebracht.

Im wahren Leben nehmen diese Art von Geschichten oftmals kein gutes Ende. Doch wir hatten Glück. Wobei Glück nicht unbedingt der richtige Ausdruck ist. Wir hatten Mut. Und zwar den Mut von Klaras Tante.

Es sind nicht Worte, die einen Menschen ausmachen. Es sind die Taten. Zu handeln. Vor allem dann, wenn niemand anderes handeln kann. Selbstlos und voller Liebe. Der Beweis dafür sitzt gerade im Kinderzimmer und bastelt Geschenke.

Denn heute feiern wir alle gemeinsam. Jedes Jahr wieder. Wir feiern die Zeit, die danach begann. Ich gehe sogar so weit, zu sagen, dass Klaras ganzes Leben erst danach begann. Denn vor der Lebertransplantation war an eine normale Entwicklung, wie wir sie von anderen Kindern kennen, nicht zu denken. Erst Monate später konnten wir aufatmen. Was dann jedoch begann, war großartig. Und hält bis heute an.

Jedes Jahr an diesem Tag, blicken wir zurück und lassen das vergangene Leberjahr Revue passieren. Was soll ich sagen – auch dieses Mal gibt es viel zu berichten. Klara hat das Kleinkindalter zweifellos hinter sich gelassen. Wir blicken auf ein Mädchen, das ihr Ding macht. Mit großem Durchsetzungsvermögen und unendlicher Lebensfreude begegnet sie jedem Tag aufs Neue. Die Dinge, die sie mittlerweile alle kann, lassen sich nicht mehr einfach so aufzählen. Sie schwimmt, sie wandert, kann Fahrrad fahren, hilft kochen, beginnt zu lesen, will im Herbst Klavierunterricht nehmen, kommt ins letzte Kindergartenjahr, macht sich gerne noch schöner, meistert ihre Untersuchungen souverän, ist eine fürsorgliche große Schwester, bietet ihrem Bruder die Stirn, möchte später Ärztin werden, findet im Wald viele Pilze, malt wunderschöne Bilder und bastelt gerne. Das alles und vieles mehr.

Im Alltag und seinen Herausforderungen ist die schwere Zeit, die hinter uns liegt, in den Hintergrund gerückt. Wie in jeder Familie, gibt es Tage, die grandios sind, Tage die ereignislos vor sich hin dümpeln und Tage, die anstrengen. Viel Licht und auch Schatten. Typisches Familienleben. Die „Schutzblase“, in der sich Klara lange befand, gehört der Vergangenheit an. Auch sie muss sich an Regeln halten, ihren Pflichten nachkommen. Und das ist gut so. Sie hat die Möglichkeit, sich normal zu entwickeln. Die verschiedenen Seiten des Daseins kennenzulernen. Zu merken, dass ihr Handeln, Einfluss auf ihre Umgebung nimmt. Und dass das Leben Konsequenzen in petto hält.

Nach all diesen Jahren sind wir also endlich in der Normalität angekommen. Die schweren Zeiten sind nicht vergessen, aber überwunden. Und genau das ist es, worum es letztendlich geht.

Danke für dieses Geschenk. Danke für Klara. Danke für unsere Familie. Danke, dass wir ein normales Leben führen dürfen!

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