Im Laufe deines Lebens kommen und gehen Menschen. Manche wenige bleiben auch. So ist das zumindest bei mir. Ich glaube, herausgefunden zu haben, woran das liegt und welcher Zusammenhang mit meinem Wohn-, beziehungsweise Lebensstil besteht.

Früher pflegte ich viele Sozialkontakte. Der Begriff „Sozialkontakt“ ist bewusst gewählt, denn im Nachhinein weiß ich, „Freundschaften“ sind etwas anderes.

Ich hatte ArbeitskollegInnen, mit denen ich mich blendend verstand und oft gemeinsam Mittagessen ging. Und liebe, unterhaltsame Menschen, mit denen ich gerne fort ging und die Nächte durchtanzte. Dann gab es Menschen, mit denen ich vorwiegend Konzerte besuchte. Und andere, mit denen ich die Gipfel so mancher Berge stürmte. Alle diese Verbindungen hatten eines gemeinsam, obwohl ich mich mit meinen BegleiterInnen auf bestimmten Ebenen sehr gut verstand, waren diese Beziehungen meist zweckgebunden. Fiel die gemeinsame Sache weg, zum Beispiel durch einen Jobwechsel, war es das dann. Nicht sofort, aber schleichend. Das klingt jetzt hart, ist aber anders gemeint. In diesen Phasen unseres Lebens hatten wir gleiche Interessen, welche eine starke, aber nicht tiefe Verbindung geschaffen haben. Das ist nicht wertend gemeint, sondern hat seinen Ursprung wo anders.

Phasen gehen und Phasen kommen. Wenn dann eine Phase einem neuen Lebenskapitel Platz macht, kommen Dinge in Bewegung, die wir uns früher nicht so vorgestellt haben. Oft wird das Thema Elternschaft dahingehend thematisiert, es würde in diesem Zusammenhang eine Trennung von Spreu und Weizen stattfinden. Jein. Kann ich in diesem nicht gänzlich bestätigen, die Wahrheit liegt dann ein bisschen wo anders.

Kinder sind nicht der Grund, warum Bekanntschaften getrennte Wege gehen. Vielmehr hat es damit zu tun, dass wir andere Prioritäten im Leben entwickeln. Und vor allem, was für Typen Menschen wir sind.

Gehörst du zu der Gruppe der Maximalisten oder der Minimalisten? Zeig mir dein Zuhause, dann zeigst du mir deine Freundschaften. Es gibt nämlich zwei Arten zu leben: Die Einen schöpfen aus dem Vollen, für andere bedeutet, zu viele Dinge zu haben Ballast. Während die Einen in einem vollbestückten Kleiderschrank ihre Befriedigung finden, belastet die Anderen genau dieser. Zu welchen Typ Mensch ich gehöre, weiß ich mittlerweile sehr genau. Ich bin durch und durch Minimalistin – und das nicht nur nach außen.

Während ich früher versucht habe, meinen Platz in unserer Konsumgesellschaft zu finden (und glaubt mir, Schuhe hatte ich viele), hatte ich trotzdem nie das Gefühl, mich in dieser Rolle hundertprozentig wohl zu fühlen. Schon immer hatte ich in meinen Wohnungen lieber leere weiße Wände, anstatt den buntbemalten und mit Fotos bestückten Pendants mancher Mitmenschen. Zeit meines Lebens sehe ich keinen Sinn und Zweck in Parfums, verschiedensten Putzmitteln und Deko-Elementen im Stiegenhaus. Und doch befinde ich mich noch immer mittendrin, in einem Entwicklungsprozess, der noch lange nicht zu Ende ist.

Kommen Kinder, kommt Kram. Und das zu begreifen und in den Griff zu bekommen, erfordert Einsicht und Konsequenz. Denn herzugehen und erfolgreich gegen Plastik- und sinnlose Geschenkefluten zu schwimmen, ist keine temporäre Aufgabe, sondern ein ständiger Begleiter. Machst du eine Pause, saufst du ab. So einfach ist das.

Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, unseren Besitz auf das Wesentliche und Wertvolle zu beschränken. Weniger Kram kostet weniger Geld. Und es muss weniger weggeräumt werden. Macht also weniger Arbeit. Spart somit Zeit. Und so verhält es sich eben auch mit Beziehungen. Mit der Zeit habe ich erkannt, welche Menschen in meinem Leben wertvoll sind. Und welche eben nur Sinn und Zweck waren – für Dinge, die nicht mehr aktuell sind. Und so verblassten sie schön langsam in meinem Leben und ich in ihrem. So wie meine High Heels mit den 17 Zentimeter Absätzen. Hatte ich. „Brauchte“ ich. Irgendwann hatte ich immer weniger, dann gar keine Verwendung mehr für sie. Erst standen sie jahrelang im Schuhschrank, dann wanderten sie in den Keller und schließlich fanden sie ein neues Leben in einem Secondhandshop. Ohne Drama, ohne Abschiedsschmerz. Wir haben uns einfach auseinander gelebt. Die positive Erinnerung bleibt.

Während Maximalisten ihr Lebenselixier aus der Vielzahl von Dingen, Beziehungen und Unternehmungen schöpfen und sich mit diesen gerne umgeben, ziehe ich meinen Schwung aus der Einfachheit. Aus den wenigen, aber wertvolleren Dingen und Menschen die mir wirklich gut tun, die mein Leben noch immer bereichern. Und das wesentlich intensiver als zuvor. Weil sie mehr sind, als nur zweckgebunden. Weil ich sie wirklich in meinem Leben brauche. Alles was darüber hinausgeht und zuviel wird, kostet mir mehr Kraft und zwingt mich in eine Rolle, für die ich nicht gemacht bin.

Die Schuhe werden vermutlich nicht mehr zurück kommen. Anders verhält es sich bei manchen Menschen. Denn das Leben ist keine Einbahnstraße, bedeutet immer Veränderung. Und das in alle Richtungen.

So ich, so du, so wir. Welcher Typ bist du? Lässt sich das auch an deinen Wänden ablesen?

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