Meine Freundin Claudia und ich hatten eine Idee. Um was es geht, könnt ihr gerne nachlesen:

Mit Erfahrung handeln, statt auf bessere Zeiten zu warten

– die Vision musste verwirklicht werden, denn von nichts kommt nichts.

Wer mich kennt weiß, ich bin jemand, der ins Handeln kommt. Für mich gibt es kein „Geht nicht“, „Kann ich mir nicht vorstellen“ oder „Wie soll denn das bitte funktionieren?“.

Und im Laufe unserer Gespräche, wie wir unser Vorhaben verwirklichen könnten, kamen wir auf eine grandiose Idee – „Lass uns ein Crowdfunding machen!“

Gleich vorweg – ich bin relativ hart im Nehmen. Es gibt nichts, von dem ich behaupte, dass es unerreichbar wäre. Meine Einstellung: Wir leben im Land der begrenzten Unmöglichkeiten. Aber diese Geschichte fängt schön langsam an, ziemlich an meiner Substanz zu nagen.

Warum? Wenn ihr wisst, um was es in unserem Projekt geht, dann ist euch auch klar, dass ich unsere persönliche Familiengeschichte thematisiere. Das liegt im Naturell der Sache, ich denke nicht, dass ich sonst auf die Idee für dieses Projekt gekommen wäre.

Das bringt zwar einerseits einen unglaublichen persönlichen Einsatz meinerseits mit sich, macht die ganze Geschichte aber umso schwieriger für mich – vor allem in dem Zusammenhang, dass ich quasi mein Inneres nach außen kehre und sehr viele Dinge, die ich vergessen glaubte, wieder hoch kommen. Hätte ich mir vielleicht früher überlegen müssen. Hab ich aber nicht. Denn ich ging davon aus, es würde eh jeder verstehen, um was es gehe – mit Misstrauen und Missgunst hätte ich das im Vorhinein niemals in Verbindung gebracht. Aber im Leben lernt man nicht aus.

Eine weitere Seite neben dem Misstrauen und der Missgunst ist die Gleichgültigkeit. Während unglaublich viele liebe Menschen unser Projekt unterstützen, scheint es, als wäre es manchen Menschen schlichtweg egal. Gerade vorgestern habe ich mit jemanden darüber gesprochen, wie es war, als wir im ersten Lockdown waren. Die Hilfsbereitschaft unter den Menschen war enorm, der Zusammenhalt unglaublich stark. Unzählige Facebook-Gruppen schossen wie Pilze aus dem Boden, deren einziger Sinn der war, andere Menschen zu unterstützen, die es noch schwieriger haben als wir.

Was ist davon übrig? Kaum etwas. Die Menschen sind damit beschäftigt, sich gegenseitig zu zerreißen, während ein Kanzler den anderen ablöst, suchen wir nach der Wahrheit – wobei die Wahrheit niemals etwas absolutes sein wird und sein kann – Lösungen sind nicht schwarz oder weiß, Lösungen entstehen aus einem gemeinsamen Dialog, von dem wir allerdings im Moment Lichtjahre entfernt sind. Und weil halt sehr viele Menschen so weit drinnen in ihrem eigenen Ding sind, ist das Interesse an Problemlösungen auch Nebensache.

Was sind dann die Dinge, für die Menschen Begeisterung aufbringen? Angeblich sind das die Sachen, die niemanden anderen schaden und ihnen selber einen Vorteil bringen. Ist das tatsächlich der Grund, warum unser Projekt so zäh läuft? Weil viele Menschen keinen eigenen Nutzen daraus ziehen können?

Jemand anderes hat gesagt: „Hättest einen abgemagerten Esel hingestellt, oder das Wort „Kinder“ mit „Hunden“ ersetzt, wärst schon fertig mit deiner Aktion.“

Mit Verlaub, das möchte ich nicht glauben. Ich weigere mich, zu akzeptieren, dass Hilfsbereitschaft nicht zu den Grundzügen unseres menschlichen Daseins zählt – vielmehr probiere ich den Grund bei uns zu finden. An dem Projekt an sich liegt es nicht. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass wir damit wirklich etwas im Alltag der betroffenen Familien ändern können. Ist es dann unsere Vorgehensweise?

Der Betrag der bereits gespendet wurde ist grundsätzlich nicht niedrig. War es vielleicht ein Fehler, relativ spät mit unserer Kampagne gestartet zu haben? Glaube ich nicht, wenn ich bedenke, wie viele Bekannte eh noch spenden werden, „denn sie haben ja noch Zeit“. Allerdings denke ich mir, dass viele wahrscheinlich uns letztendlich gar nicht mehr unterstützen werden, weil die Aussicht auf einen positiven Ausgang derart utopisch scheint, weil eben alle bis zum Schluss gewartet haben werden. Und die Spanne zum Ziel sehr weit scheinen wird.

Andererseits dünkt mir, das ganze Drama hängt mit den Sozialen Medien an sich zusammen. In dieser schönen Welt geht es um Likes. Und darum geteilt etwas geteilt zu haben. Wenn es darum geht – lassen wir jedes Like und jedes Sharing gedanklich 15 Euro (das ist der Betrag, der ein einzelnes Paket auf den Weg schickt) wert sein, dann wären wir schon längst fertig. Und könnten zu Weihnachten die ersten Päckchen rausschicken. Aber wir brauchen harte Währung – echtes Geld. Und diese Komfortzone zu verlassen, scheint vielen Menschen nicht möglich. Vielleicht sprechen wir großteils die falschen Menschen an?

Ich möchte jetzt einfach etwas ins den Raum stellen und trau mich zu behaupten, dass die letzten Wochen einen großen Raum für Einsparungen geboten haben. Die Lokale waren geschlossen, der Handel auch. Und auch wenn es die Möglichkeit gibt, viele Dinge, die man ehrlicherweise gar nicht unbedingt braucht, im Internet zu bestellen, müssten diese 15 Euro für ein Paket irgendwo möglich sein. Aber es ist anscheinend so, wie es eine Freundin beschreiben hat. Tolle Aktion, aber spenden sollen die anderen. Letztendlich hat sie gespendet. Dafür möchte ich ihr danken. Und den vielen, vielen anderen Menschen, die tatsächlich über ihren Tellerrand hinaus gedacht haben. Ihr seid großartig – von so Vielen unter euch bin ich unglaublich überrascht. Entweder kennen wir uns kaum, gar nicht, oder ich hätte gedacht, genau ihr hättet genug mit eurer eigenen Geschichte zu tun. Ihr gibt mit das Gefühl, dass wir auf dem richtigen Weg sind!

Einige Tage verbleiben noch, vielleicht passiert ja so etwas wie ein Wunder. Aufgeben werde ich unser Projekt so oder so nicht. Aber dass ich jemals wieder mit meinem Inneren nach außen gehe, um etwas zu bewegen, in meinen Möglichkeiten zu helfen, wird in dieser Form sicherlich nicht mehr stattfinden. Dazu bin ich einfach zu verletzlich. Crowdfunding ist nichts für schwache Nerven. Das muss einfach mal ehrlich gesagt werden.

Ich weiß, dass sehr, sehr viele Menschen unser Projekt mit großer Neugierde verfolgen. Um das festzustellen, gibt es Statistiken. Diese Art von Voyeurismus könnte ganz einfach in etwas Positives umgewandelt werden – statt zu beobachten, abzuwarten und zu urteilen, wäre Hilfe die beste Möglichkeit, Teil von unserem Projekt zu werden. Dann ist das Nachschauen gleich viel positiver, vom Gefühl her. Etwas im Kleinen zu bewegen, als zu warten, dass sich Dinge von selbst lösen. Wär ja im Grund genommen nicht für mich, sondern für andere. Die es wirklich brauchen.

https://www.startnext.com/stille-helden